Sucht im Unternehmen – warum Hinschauen Leben retten kann
Sucht ist kein Randthema. Sie betrifft Unternehmen aller Branchen – vom Produktionsbetrieb bis zur Führungsetage. Dennoch bleibt sie am Arbeitsplatz oft lange unsichtbar. Aus Unsicherheit, aus Angst vor falschen Worten oder aus dem Wunsch heraus, niemanden zu „stigmatisieren“. Genau hier liegt das Problem: Wegsehen schützt nicht – Hinschauen kann Leben retten.

Sucht entwickelt sich selten plötzlich. Häufig zeigen sich früh Warnsignale: Leistungsabfall, häufige Fehlzeiten, Stimmungsschwankungen, Rückzug, Gereiztheit oder auffälliges Risikoverhalten. Besonders im Kontext hoher Belastung, Schichtarbeit oder Führungsverantwortung werden diese Anzeichen jedoch schnell normalisiert oder als „Stressphase“ abgetan.
Für HR-Verantwortliche und Führungskräfte stellt sich daher eine zentrale Frage: Wie spreche ich das an – ohne zu überfordern oder zu verletzen?
Der wichtigste Grundsatz lautet: Beobachtungen benennen, keine Diagnosen stellen!
Ein Gespräch sollte immer sachlich, wertschätzend und konkret geführt werden. Nicht: „Ich glaube, Sie haben ein Alkoholproblem“, sondern:
„Mir ist aufgefallen, dass Sie in den letzten Wochen häufiger zu spät kommen und Termine absagen. Ich mache mir Sorgen – was ist los?“
Entscheidend ist, frühzeitig das Gespräch zu suchen, nicht erst dann, wenn Sicherheitsrisiken, Fehlzeiten oder Konflikte eskalieren. Je früher Unterstützung angeboten wird, desto größer sind die Chancen, dass Betroffene Hilfe annehmen – und arbeitsfähig bleiben.
Wie können Unternehmen konkret helfen?
• Klare, bekannte Ansprechpersonen (HR, BGM, externe Beratung)
• Schulungen für Führungskräfte zum Umgang mit Suchtrisiken
• Klare, transparente Stufenpläne statt Einzelentscheidungen
• Enttabuisierung: Sucht als Gesundheits- und kein Moralthema
• Kooperation mit externen Fachstellen
Suchtprävention ist kein „Nice-to-have“, sondern Teil moderner Fürsorgepflicht. Unternehmen, die hinschauen, Gespräche ermöglichen und Strukturen schaffen, schützen nicht nur ihre Mitarbeitenden – sie sichern auch Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Vertrauen.
Denn manchmal beginnt Hilfe mit einem einfachen Satz:
„Ich sehe dich – und du musst da nicht allein durch.“
Autorin: Alina Meyer-Riad / AMR-ResilienzStärken






