Ausbildende Fachkräfte: Verantwortung ohne Vorbereitung?

12. Oktober 2026 | Autorin: Sabine Bleumortier |4 Min.

Wann haben Sie Ihre ausbildenden Fachkräfte zuletzt gezielt auf ihre Aufgabe vorbereitet? Nicht nur mit einem kurzen Gespräch zwischen Tür und Angel, sondern mit einem Einführungsgespräch, einem Workshop oder einem anderen passenden Weiterbildungskonzept?

Die Ausbilderumfrage 2025 zeigt: Bei der Qualifizierung ausbildender Fachkräfte bewegt sich seit Jahren erstaunlich wenig. Die Befragung wird seit 2016 im Dreijahresrhythmus durchgeführt. Ein großer Entwicklungsschub ist in diesem Zeitraum jedoch ausgeblieben.

Sabine Bleumortier - Ausbildende Fachkräfte

Jeder fünfte Betrieb verzichtet auf Vorbereitung

Noch immer bereitet etwa jeder fünfte Ausbildungsbetrieb seine Ausbildungsbeauftragten nicht speziell auf ihre Aufgabe vor.

Das ist durchaus bemerkenswert. Schließlich übernehmen ausbildende Fachkräfte eine wichtige Rolle: Sie vermitteln Arbeitsabläufe, geben Rückmeldung, führen Gespräche und begleiten junge Menschen bei ihren ersten Schritten im Berufsleben ebenso wie bei ihrer persönlichen wie fachlichen Entwicklung.

Fachlich gute Arbeit allein reicht dafür nicht aus. Wer eine Maschine bedienen oder ein Kundengespräch führen kann, weiß nicht automatisch, wie sich diese Fähigkeiten verständlich vermitteln lassen.

Viele ausbildende Fachkräfte werden dennoch nach dem Prinzip „Sie machen das schon“ eingesetzt. Das kann funktionieren – muss es aber nicht.

Warum verändert sich so wenig?

In der Praxis höre ich häufig ähnliche Gründe:

  • Für Qualifizierung fehlt die Zeit.
  • Es gibt kein Budget.
  • Die Fachkraft besitzt bereits die Ausbildereignungsprüfung.
  • Im Alltag hat es bisher irgendwie funktioniert.
  • Weiterbildung wird erst organisiert, wenn Probleme auftreten.

Gerade der letzte Punkt ist kritisch. Qualifizierung sollte nicht wie ein Feuerlöscher behandelt werden, den man erst hervorholt, wenn es bereits brennt.

Die Ausbildereignungsprüfung kann eine gute Grundlage sein. Sie ersetzt jedoch keine regelmäßige Weiterbildung zu aktuellen Herausforderungen – etwa zum Umgang mit der jungen Generation, zu schwierigen Ausbildungssituationen, digitalen Lernmethoden oder künstlicher Intelligenz.

So bringen Sie Bewegung in die Qualifizierung

Sie müssen dafür nicht sofort ein umfangreiches Weiterbildungsprogramm entwickeln. Starten Sie mit überschaubaren und verbindlichen Maßnahmen:

a. Rollen und Aufgaben klären

Halten Sie schriftlich fest, wofür ausbildende Fachkräfte verantwortlich sind. Was übernimmt die Ausbildungsleitung und was der jeweilige Azubibetreuer?

b. Eine kurze Vorbereitung einplanen

Neue ausbildende Fachkräfte sollten vor ihrem ersten Einsatz mindestens ein Einführungsgespräch erhalten. Ergänzen Sie dieses durch Unterlagen, Checklisten oder einen kurzen Workshop.

c. Mindestens zwei Lernimpulse pro Jahr anbieten

Das können Präsenztrainings, Onlineveranstaltungen oder moderierte Erfahrungsaustausche sein. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit – nicht die Größe der Veranstaltung.

d. Die Fachkräfte selbst befragen

Welche Situationen empfinden Ihre Ausbilder als schwierig? Wo wünschen sie sich mehr Unterstützung? Oft ergeben sich daraus sehr konkrete und praxisnahe Weiterbildungsthemen.

Qualifizierung darf kein Zufallsprodukt bleiben

Die Ergebnisse der Ausbilderumfrage 2025 zeigen deutlich, dass sich bei der Qualifizierung ausbildender Fachkräfte seit 2016 zu wenig verändert hat.

Doch ausbildende Fachkräfte prägen die Qualität der Ausbildung jeden Tag. Sie arbeiten eng mit den Auszubildenden zusammen und erkennen früh, wo diese noch Orientierung, Rückmeldung oder fachliche Begleitung benötigen.

Daher lohnt es sich, ihre Vorbereitung nicht dem Zufall zu überlassen. Beginnen Sie mit klaren Aufgaben, regelmäßigen Lernangeboten und einem offenen Austausch. Auch kleine Schritte können hier viel bewirken – wenn sie dauerhaft umgesetzt werden.

Autorin: Sabine Bleumortier

Jetzt Newsletter abonnieren...

…und keine spannenden HR-Themen und HR-Events verpassen