Bewusste HR-Entscheidungen mit und ohne KI
31. August 2026 | Autorin: Alexandra Kammer |4 Min.
Wir wollen doch alle die Besten einstellen. Doch häufig bedeutet das am Ende, dass wir einfach Kopien von den Menschen einstellen, die bereits für uns arbeiten. Dabei verpassen wir Möglichkeiten für Innovation, Kreativität und die Steigerung von Motivation oder Loyalität am Arbeitsplatz. Die entsteht, wenn wir vielfältige Teams aufbauen.
Was uns hier im Weg steht: Unser Gehirn. Genauer: Unsere unbewusste Voreingenommenheit.

Wer ein Gehirn hat, hat Unconscious Biases
Das ist die gute Nachricht: Wir alle haben unbewusste Denkmuster, so können wir sie gemeinsam überwinden.
Sie helfen uns dabei einen komplexen Alltag zu meistern und die durchschnittlich 35.000 Entscheidungen pro Tag zu treffen. Besonders wenn wir unter Stress oder Druck stehen, werden diese kognitiven Verzerrungen aktiviert und was entsteht? Schubladendenken.
Unconscious Bias: mehr als unbewusste Vorurteile
Schubladendenken kann auch bedeuten, dass wir einfach bevorzugen, wer uns ähnlich ist (Affinitätsverzerrung) oder uns der Meinung des Kollegiums anschließen, um deren Anerkennung zu erhalten (Anpassungsfehler).
Am Ende hat unser Gehirn zwei Anliegen: uns durch Vorhersehbarkeit in Sicherheit zu halten und in einer Vielzahl von Informationen nur eine bestimmte Anzahl herauszufiltern. Das kann dann dazu führen, dass wir immer dieselbe Art von Person einstellen, um den gewohnten Zustand zu erhalten (Ist-Zustand-Verzerrung) oder, dass wir Informationen stärker wahrnehmen, die eine vorgefasste Meinung bestätigen (Bestätigungsfehler).
Bias-Überwindung: Bewusste HR-Entscheidungen treffen
Die Kompetenz, die eigenen Biases zu erkennen und zu überwinden, wird also zur Kernkompetenz für erfolgreiche HR-Entscheidungen. Das kann schon durch einfache Maßnahmen, wie eine Bias-Breaker-Pause von fünf Minuten vor dem nächsten Bewerbungsgespräch, gelingen. Am besten wirkt es in Kombination mit der Umsetzung von objektiven Prozessen. Dazu gehört eine Struktur, die für alle gleich ist, eine einheitliche Kriterienliste und Interviewleitfäden.
Maximen zur Bias-Überwindung:
- Struktur und Standardisierung
- Druck- und Komplexitätsreduktion
- Objektive Kriterien
Unbewusste Verzerrungen in der KI
Diese kognitiven Verzerrungen übertragen sich auch auf den KI-Einsatz.
Hier hat Bias zwei Quellen:
- das menschliche Gehirn, das KI aufsetzt oder nutzt
- der Datensatz, der der KI zu Grunde liegt
Unsere unbewusste Voreingenommenheit kann dann dazu führen, dass ein Gesichtserkennungssystem nur für Gesichter mit weißer Hautfarbe funktioniert, weil es nicht an Schwarzen Menschen getestet wurde (Selection Bias). Ein weiteres Beispiel ist die historische Verzerrung. Hier lernt sie von Daten aus der Vergangenheit, repliziert sie und verstärkt so diskriminierende Strukturen. Das kann dann bedeuten, dass eine KI im Bewerbungsprozess Frauen aussortiert, weil in der IT bisher nur Männer arbeiten (Beispiel Amazon).
Bias-Überwindung in KI
Um KI ethisch einzusetzen und diese Verzerrungen zu vermeiden, hilft es zunächst, die Datenbasis auf Vielfalt und Balance zu überprüfen. Gibt sie das wieder, was ich mit der KI erreichen will? Wenn das nicht gegeben ist, können auch gezielt unterrepräsentierte Gruppen hinzugefügt werden.
Für bias-freies Prompting ist es ratsam, sich dem Ziel vorher sicher zu sein und das Ergebnis damit abzugleichen, damit man sich nicht unbewusst von der KI leiten lässt. Außerdem kann es helfen, die KI bewusst darauf hinzuweisen, dass sie Fairness miteinbeziehen soll. Abschließend sollte KI unterstützend eingesetzt werden und nicht als alleinige Entscheiderin agieren.
Autorin: Alexandra Kammer
