Kündigung ist kein Angriff: Warum Führung sich zeigt, wenn Menschen gehen

Eine Kündigung verändert alles. Für Mitarbeitende wie für Führungskräfte ist sie ein Bruch, doch in der Personalakte bleibt oft nur ein nüchterner Satz: „verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch“. Die Wahrheit beginnt viel früher, nämlich mit der inneren Kündigung.

Studien zeigen, dass 79 Prozent der emotional gekündigten Mitarbeitenden ihre direkte Führungskraft als Hauptursache nennen (Gallup Engagement Index). Trotzdem sprechen wir selten offen darüber.

Kündigung

Die stille Kündigung

Innere Kündigung ist leise. Man erkennt sie an sinkender Motivation, weniger Eigeninitiative oder dem Rückzug aus Meetings. Sie entsteht, wenn zentrale Bedürfnisse wie Autonomie, soziale Eingebundenheit und Kompetenz (Deci & Ryan, 2000) dauerhaft nicht erfüllt werden. Aus Enttäuschung wächst Distanz. Die eigentliche Kündigung ist dann nur noch der letzte Schritt.

„Ich bin innerlich längst weg.“ Dieser Satz fällt selten laut, aber er wird gelebt.

Offizielle Kündigungsschreiben verschleiern diese Realität oft: „Ich danke für die gute Zeit“ oder „Ich freue mich auf neue Herausforderungen“. Dahinter verbergen sich nicht selten Frust, fehlende Wertschätzung oder Erschöpfung. Laut einer Umfrage von Personio (2022) gaben 44 Prozent der Kündigenden an, sich nicht ausreichend gesehen zu haben.

Führung zeigt sich im Abschied

Führung wirkt immer – ob durch aktives Handeln oder durch Abwesenheit. Wird Leistung wahrgenommen? Wird das Gespräch gesucht, wenn Rückzug sichtbar wird? Oder wird verwaltet, statt in Beziehung investiert? Loyalität entsteht nicht durch Verträge, sondern durch Resonanz und Vertrauen.

Eine Kündigung ist deshalb mehr als ein administrativer Vorgang. Sie ist ein Lackmustest für Unternehmenskultur. Zeigt sich Wertschätzung nur in Hochglanzbroschüren oder auch dann, wenn jemand geht? Eine respektvolle Trennungskultur heißt, Feedback einzuladen, Kritik auszuhalten und Abschiede als Teil von Entwicklung zu verstehen.

Zuhören statt verteidigen

Viele Gespräche finden nie statt, weil Machtverhältnisse hemmen. Mitarbeitende fürchten Konsequenzen, Führungskräfte scheuen emotionale Konfrontation. Doch wer diese Gespräche meidet, riskiert, dass Themen unausgesprochen bleiben bis eine Kündigung auf dem Tisch liegt.

Ehrliche Kündigungen sind selten, aber sie können wertvoll sein. Wenn Führungskräfte zuhören, statt sich zu rechtfertigen, eröffnen sich Chancen zur Weiterentwicklung. „Die größte Gefahr für Unternehmen sind nicht offene Worte, sondern das Schweigen davor.“

Führung heute braucht psychologisches Gespür, die Fähigkeit, zwischen den Zeilen zu hören, und den Willen, sich selbst infrage zu stellen. Entscheidend ist nicht, ob Menschen ewig bleiben. Entscheidend ist, wie respektvoll man auseinandergeht.

“Fazit”

Kündigungen sind kein Angriff. Sie sind Ausdruck von Entwicklung, Veränderung und manchmal auch von Enttäuschung. Eine reife Führungskultur zeigt sich nicht nur im Aufbau von Beziehungen, sondern auch im Abschied.

Wenn Unternehmen es schaffen, Kündigungen als Lernmoment zu begreifen, gewinnen beide Seiten – die, die gehen, und die, die bleiben.

Autorinnen:

Dr. Katharina Robinson

Franziska Weihmann

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