Unmotivierte Mitarbeitende? Warum wir genauer hinschauen sollten.

21. August 2026 | Autorin: Claudia Knippel |4 Min.

„Wir müssen unsere Leute endlich wieder motivieren.“ Dieser Satz fällt in Unternehmen schnell, wenn die Energie im Team nachlässt, Ideen ausbleiben oder Veränderungen eher hingenommen als mitgestaltet werden. Die Arbeit läuft weiter, Ziele werden vielleicht sogar erreicht, aber irgendwie alles mit angezogener Handbremse.

Der erste Impuls ist dann häufig, nach einer schnellen Lösung zu suchen: ein neues Ziel, ein Bonusprogramm, ein Team-Offsite oder die nächste Initiative für mehr Engagement. Solche Maßnahmen können kurzfristig etwas bewegen. Wenn die eigentlichen Ursachen jedoch unangetastet bleiben, bleibt ihre Wirkung oft begrenzt.

Vielleicht ist deshalb eine andere Frage hilfreicher: Sind die Mitarbeitenden tatsächlich nicht mehr motiviert oder erleben sie Bedingungen, unter denen ihre Motivation nach und nach verloren geht?

Unmotivierte Mitarbeitende

Motivation ist mehr als Leistungsbereitschaft

Wer engagiert arbeitet, gilt als motiviert. Wer sich zurückzieht, kaum noch Ideen einbringt oder nur noch das Nötigste tut, gilt schnell als unmotiviert.

Doch so einfach ist es nicht. Laut Gallup State of the Global Workplace 2026 fühlen sich in Deutschland nur 11 Prozent der Beschäftigten wirklich mit ihrer Arbeit verbunden. Mitarbeitende können ihre Aufgaben also zuverlässig erledigen und gleichzeitig innerlich längst auf Abstand gegangen sein.

Die Gründe dafür liegen nicht zwangsläufig bei den Mitarbeitenden selbst. Auch Führung und Organisation haben Einfluss darauf, unter welchen Bedingungen Motivation entstehen und erhalten bleiben kann.

Vielleicht wechseln Prioritäten ständig. Entscheidungen werden immer wieder vertagt. Für eigene Ideen bleibt kaum Raum oder Rückmeldungen konzentrieren sich vor allem darauf, was noch nicht funktioniert.

Menschen geben nicht weniger, weil sie plötzlich weniger wollen. Oft erleben sie nur nicht mehr, dass ihr eigener Beitrag etwas bewirkt.

Wenn Erfahrungen die Motivation ausbremsen

In einem Coaching berichtete mir eine Führungskraft von einem leistungsstarken Team, in dem sich kaum noch jemand beteiligte oder neue Ideen einbrachte.

Im Gespräch zeigte sich: Projekte wurden mehrfach gestoppt, Prioritäten immer wieder verändert und Entscheidungen vertagt worden. Irgendwann investierte das Team kaum noch zusätzliche Energie. Nicht aus Desinteresse, sondern weil viele den Eindruck gewonnen hatten, dass ihre Ideen ohnehin nichts verändern würden.

Die Motivation war also nicht einfach verschwunden. Sie war unter diesen Erfahrungen nach und nach verschüttet worden.

Genau dieser Unterschied ist wichtig. Denn dann richtet sich der Blick nicht nur auf das Verhalten einzelner Mitarbeitender, sondern auf die Bedingungen, unter denen dieses Verhalten entstanden ist.

Was Organisation und Führung beeinflussen können

Motivation lässt sich nicht einfach verordnen. Organisationen können aber Bedingungen schaffen, unter denen das Engagement bei den Mitarbeitenden wahrscheinlicher wird. Diese drei Faktoren sind dafür essenziell: Orientierung, Beteiligung und Anerkennung.

Orientierung: Wissen Mitarbeitende, was gerade wirklich Priorität hat? Sind Entscheidungen nachvollziehbar und ist klar, wo Gestaltungsspielraum besteht?

Beteiligung. Wer Verantwortung übernehmen soll, braucht Möglichkeiten mitzugestalten und die Erfahrung, dass die eigene Perspektive einen Unterschied machen kann.

Anerkennung. Nicht als pauschales Lob, sondern als konkrete Rückmeldung darüber, welcher Beitrag gesehen wurde und was dadurch gelungen ist.

Dabei geht es nicht allein um Führung. Auch Strukturen, Entscheidungswege, Arbeitsbelastung und Unternehmenskultur beeinflussen, ob Menschen ihre Energie einbringen können oder irgendwann beginnen, sie zurückzuhalten.

Die vielleicht wichtigere Frage zur Motivation

Bevor also die nächste Motivationsinitiative startet, lohnt sich deshalb eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo haben Mitarbeitende das Gefühl von Gestaltungsspielraum und wo vor allem von Abarbeitung? Sind Ziele und Prioritäten wirklich klar? Welche Bedingungen kosten dem Team schon länger Energie und wo haben Mitarbeitende das Gefühl, dass ihr Einsatz tatsächlich etwas bewirkt?

Motivation entsteht nie ausschließlich von außen. Aber die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten, haben erheblichen Einfluss darauf, ob die vorhandene Motivation wachsen kann oder zunehmend verloren geht.

Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb nicht: „Wie motivieren wir unsere Mitarbeitenden wieder?“

Sondern: „Welche Bedingungen müssen wir verändern, damit die Motivation wieder wachsen kann?“

Autorin: Claudia Knippel

Quelle: https://www.gallup.com/workplace/705434/state-global-workplace-germany-country-level-data.aspx

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