Wie wir allen Rollen gerecht werden können
16. Juni 2026 | Autorin: Nicole Staudinger |3 Min.
In HR-Abteilungen begegne ich den unterschiedlichsten Rollen: der Kümmererin, dem Organisator, dem Verwalter, der Feel-Good-Managerin, der BGM-Verantwortlichen, dem Zuhörer, der Problemlöserin oder der Entwicklungsbeauftragten. Ein bisschen wie zuhause.

Auch dort sind wir Partner, Mutter, Onkel, Schwester, Sohn, Ehrenamtliche, Fußballtrainer oder Care-Arbeit-Verantwortliche. In jeder Rolle tragen Sie einen anderen Hut — oder gar ganz andere Kleidung!
Viele Rollen zu beherrschen kann wundervoll sein — oder im höchsten Maße anstrengend.
Und wenn Sie mich fragen: Es hängt maßgeblich davon ab, wie sehr Sie das Umziehen stresst.
Es macht für die innere Haltung einen Unterschied, ob Sie das Gefühl haben, sich verkleiden zu müssen — oder ob Sie bewusst sagen: Hier ist meine Rolle eben anders.
Natürlich dürfen und müssen Sie Ihren Stil und Ihre Authentizität wahren. Und dennoch werden mit unterschiedlichen Rollen auch unterschiedliche Verantwortungen an Sie herangetragen. Wenn Sie diese einzelnen Rollen nicht selbst mit Leben füllen, nicht selbst ausmalen, übergeben Sie die Buntstifte automatisch an andere.
Was hilft:
Bilden Sie ein solides Fundament — über die Frage: „Was will ich?“
Hier darf, ja muss, Ihre Haltung zum Leben einfließen.
Warum sind Sie hier?
Was wollen Sie vom Leben?
Wo wollen Sie wirken?
Wie wollen Sie wirken?
Was soll bleiben?
Das Schöne: Diese Antworten dürfen sich verändern.
Als Teenager wollen Sie andere Dinge als in der Menopause.
So wird aus dem Fundament Ihr Selbstbild.
Wenn Sie dann noch Lust auf mehr haben, gehen Sie ruhig noch ein bisschen tiefer:
Was können Sie gut?
Was fällt Ihnen schwer?
Was stresst Sie?
Was gibt Kraft?
Was kostet Kraft?
Wer beflügelt Sie und warum?
Was hält Sie klein?
Nur, wer ein klares Selbstbild hat, kann auch eine Haltung entwickeln.
Zu sich und dem Leben.
Und wenn das steht — die Beantwortung dieser Fragen ist übrigens nicht leicht, nehmen Sie sich ruhig Papier und Stift dazu — dann können Sie auf diese Basis so viele Rollen packen, wie Sie möchten.
Jede Position hat dann wieder ihr eigenes „Was will ich“. Gerade in Bereichen, die oft Ihre ganz persönliche Kreativität verlangen — sprich: Wie interpretieren Sie Ihren Job im HR-Bereich? — ist das essenziell.
Mit einem definierten „Was will ich“ verändert sich nämlich Ihre Kommunikation.
„Liebe Kollegen, ich bin gerne ab und an die Kümmererin. Damit ich das gut sein kann, benötige ich von Euch …“
Das macht einen Unterschied zu:
„Ich habe es satt, dass alle zu mir kommen und mich als Kümmererin sehen. Dabei bin ich doch so viel mehr.“
Als Kommunikationstrainerin weiß ich: Das eigene Selbstbild ist entscheidend für die Fähigkeit, Konfliktgespräche zu führen. Wer viele Rollen innehat, wird mit unterschiedlichen Konflikten konfrontiert — und alle wollen gelöst werden.
Wenn eine Rolle dabei sein sollte, die Sie wahnsinnig viel Kraft kostet und dennoch erfüllend ist, müssen Sie wissen, wo Ihre Kraftquellen sind, um diese wieder aufzuladen.
Und hier schließt sich der Kreislauf zum Thema Selbstfürsorge:
Mit einem guten Selbstbild, einem klaren „Was will ich“ können Sie alles sein, was Sie wollen. Denn selbst nach einem schwierigen Tag – die werden davon ja nicht weniger – kennen Sie Ihre Kraftquellen und tanken bis zum nächsten Tag wieder auf.
Autorin: Nicole Staudinger
