Die Wahrheit über Employer Branding
Ausbleibende Bewerbungen werden oft mit den üblich verdächtigen Faktoren gerechtfertigt: Fachkräftemangel, Demografischer Wandel, Wettbewerb um Talente.
Die Antwort lautet dabei nicht selten „alles auf maximale Sichtbarkeit!" Es folgen Kampagnen, Social Ads, Plakate oder wenigstens eine Anzeige in der Zeitung. Das Wort, das dabei oft fällt, ist "Employer Branding".
Die erfreuliche Konsequenz, die solche Maßnahmen meist mit sich bringen, kann ein deutlicher Anstieg eingehender Bewerbungen sein. Auf den zweiten Blick bedeuten diese jedoch nicht selten enormen Mehraufwand. Die Bewerbungen sind unpassend. Die erste Reaktion lautet dann „Employer Branding funktioniert nicht!" – trotz der investierten Unsummen.
Der Markt ist eben wie leer gefegt? Von wegen!
Der Fehler liegt im Verständnis. Employer Branding wird zu oft mit Hochglanz-Kampagnen, Logos oder Karriereseiten gleichgesetzt. Dabei steckt viel mehr dahinter. Und genau das bietet Unternehmen einen echten Vorteil, wenn sie es richtig angehen.
Ihr habt bereits eine Arbeitgebermarke!
Ob bewusst aufgebaut oder nicht, eure Arbeitgebermarke existiert bereits.
Denn alle, die mit eurem Unternehmen, mit euch als Arbeitgeber, in Berührung kommen, haben ein gewisses Bild von euch im Kopf!
Seid ihr modern oder konservativ? Pflegt ihr ein lockeres Miteinander oder fahrt ihr einen Wettbewerb untereinander? Tragt ihr schick oder lässig? Gibt es bei euch einen Obstkorb oder jeden Dienstag Mitarbeitenden-Yoga?
Ob beim Vorbeigehen am Firmensitz, beim Besuch von Filialen, beim Lesen einer Stellenanzeige oder Beiträgen Mitarbeitender auf LinkedIn, beim Besuch der Karriereseite, beim lockeren Gespräch nach Feierabend mit Angestellten: All das trägt dazu bei, wie euer Unternehmen als Arbeitgeber wahrgenommen wird. Es bildet eure Arbeitgebermarke.
Nun ist es so, dass ihr auf dieses Bild, das sich in den Köpfen der Menschen von euch abzeichnet, aktiv Einfluss nehmen könnt.
Nichts anderes ist Employer Branding. Aber wo fängt man an, um sich hier attraktiv, authentisch und differenziert zu positionieren? Um ein Bild von sich zu zeichnen, das die passenden Bewerbenden anzieht und Mitarbeitende langfristig hält?
Employer Branding beginnt im Inneren.
Menschen möchten MIT und BEI Menschen arbeiten.
Sie möchten sich in der Kultur eines Unternehmens wiederfinden, dazugehören. Sie möchten einer sinnstiftenden Arbeit nachgehen und ihren Beitrag leisten.
Deshalb ist der erste Schritt, den ihr im Employer-Branding-Prozess gehen dürft, nach innen zu schauen und euch selbst kennenzulernen:
Erst, wenn ihr das wisst, könnt ihr auch mit Klarheit kommunizieren, was euer Versprechen an eure künftigen und aktuellen Mitarbeitenden ist.
So schafft es eine starke Arbeitgebermarke, intern richtungsweisend zu sein und Identifikationspotential zu bieten und extern Orientierung zu geben:
Indem sie Bewerbende spüren lässt, dass sie genau hier richtig sind.
Indem sie Mitarbeitenden vermittelt, dass sie hier langfristig bleiben möchten.
Indem sie ein Zielbild schafft, für das Mitarbeitende tagtäglich motiviert antreten.
Ohne Substanz bleiben eure Kampagnen bloß Fassade
Ihr solltet euch bewusst machen, welche Unternehmenskultur ihr lebt, welche Werte euch verbinden und welches Zukunftsbild ihr für euer Unternehmen habt. Über euer WIR.
Sichtbarkeit nach außen macht erst dann Sinn, wenn euer Arbeitgeberversprechen klar, glaubwürdig und intern erlebbar ist.
Und da sind wir wieder bei den Kampagnen. Ohne klares Bild von euch, sprecht ihr nicht die Menschen an, die zu euch passen. Im schlimmsten Fall enttäuscht ihr sogar, weil die Realität in eurem Unternehmen anders ist als das, was auf eurer Werbeanzeige steht. Schafft ihr es aber, klar zu kommunizieren, zu zeigen und spürbar zu machen, was man von einer Anstellung bei euch erwarten kann, zieht ihr die passenden Menschen an und baut ein starkes Team auf.
Also worauf noch warten! Fangt an zu verstehen, wer ihr als Arbeitgeber seid!
Autorin: Dominique Wulff