Die emotionale Dimension von Arbeitszeugnissen – ein oft unterschätzter Aspekt

In der Hektik des Personalalltags bleibt für die sorgfältige Erstellung von Arbeitszeugnissen häufig wenig Zeit. Der Griff zu standardisierten Zeugnisgeneratoren, das Kopieren früherer Zeugnisse oder lange Wartezeiten für den Zeugnisempfänger sind gängige Praxis. Doch diese Vorgehensweise führt oft zu Frustration bei den Mitarbeitenden, für die das Zeugnis ein entscheidendes Dokument für ihre berufliche Zukunft darstellt.

Arbeitszeugnis

Ein Arbeitszeugnis ist weit mehr als eine bloße Leistungsbewertung. Es bietet die Möglichkeit, Anerkennung und Wertschätzung auszudrücken – Aspekte, die im hektischen Tagesgeschäft leicht untergehen. Zeugnisse, die ohne persönliche Note und mit formelhaften Standardfloskeln verfasst werden, können einen negativen Eindruck hinterlassen und den Abschied vom Unternehmen belasten. Dies führt nicht selten zu Beschwerden, zusätzlichen Arbeitsaufwänden für die Personalabteilung und kann sogar das Image des Unternehmens schädigen. In Deutschland enden jährlich über 30.000 Streitigkeiten rund um Arbeitszeugnisse vor Gericht – ein Beleg für die emotionale Bedeutung dieses Themas für beide Seiten.

Aber nicht nur beim Ausscheiden beantragen Mitarbeitende ein Zeugnis, sondern auch während der laufenden Beschäftigung. Gerade Zwischenzeugnisse haben oft besondere emotionale Bedeutung. Denn Mitarbeitende, die im Unternehmen verbleiben, benötigen ein motivierendes und individuell formuliertes Zeugnis, um ihre Leistungsbereitschaft aufrechtzuerhalten. Ein unpersönliches oder ungenaues Zwischenzeugnis kann hingegen die Motivation erheblich beeinträchtigen.

Arbeitszeugnisse bieten somit die Chance, Wertschätzung und Dank auszudrücken. Folgende Maßnahmen können helfen, dies effizient umzusetzen:

  • Schlanker und einfacher Zeugnisprozess
  • Konsequente Fristensetzung
  • Aktive Einbindung der Mitarbeitenden durch Abfrage von Aufgaben- und Tätigkeitsbereichen
  • Nutzung von Zeugnissoftware mit rechtssicheren, individuell anpassbaren Textbausteinen
  • Schulungen für Personalverantwortliche zur Steigerung der Formulierungs- und Rechtssicherheit
  • Auslagerung der Zeugniserstellung an professionelle Dienstleister

Nicht zuletzt hat das Arbeitszeugnis eine wichtige Außenwirkung. Fehlerhafte, unpersönliche Zeugnisse – selbst von renommierten Unternehmen – können ein schlechtes Licht auf die Professionalität der Personalabteilung werfen. Ein hochwertiges Arbeitszeugnis ist somit nicht nur ein Zeichen der Wertschätzung für den Mitarbeitenden, sondern auch ein Aushängeschild für das Unternehmen.

Ist das gesetzlich verankerte Zeugnisrecht also eine lästige Pflicht? Sicher nicht! Es ist eine hervorragende Gelegenheit, Mitarbeitenden Anerkennung zu zeigen und gleichzeitig ein authentisches Bild ihrer Leistungen zu vermitteln. Für Personalentscheider ist das Arbeitszeugnis oft das einzige Dokument, das die berufliche Praxis eines Bewerbenden aus Sicht des Arbeitgebers beleuchtet. Hier zeigt sich, welche Erfahrungen tatsächlich vorliegen und wie viel Mühe in die Beurteilung investiert wurde. Letztlich entscheidet die Qualität des Zeugnisses über dessen Aussagekraft.

Autorin: Jennifer Herbert

Quelle/Literatur:
Zum Teil aus „Arbeitszeugnisse für dummies" Autorin Jennifer Herbert, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA ISBN 978-3-527-71498-8 (Print) / ISBN 978-3-527-81597-5 (ePub)

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